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Paarberatung und Paartherapie

Paarberatung für bi-neurale Paare

Wenn zwei Menschen mit unterschiedlichen Neurotypen miteinander leben, kann vieles, was zunächst wie ein Beziehungsproblem aussieht, auch mit unterschiedlichen Arten der Wahrnehmung, Verarbeitung und Regulation zusammenhängen.

Unter „bi-neuralen Paaren“ verstehen wir Paare, bei denen unterschiedliche neurokognitive Profile aufeinandertreffen, beispielsweise wenn eine Person autistisch oder ADHS ist und die andere Person neurotypisch ist, oder wenn beide Partner:innen unterschiedliche neurodivergente Profile haben. „Bi-neural“ ist dabei keine medizinische oder diagnostische Bezeichnung, sondern ein beschreibender Begriff für diese besondere Beziehungskonstellation.

Wenn zwei unterschiedliche Systeme aufeinandertreffen

Beziehungen leben von gegenseitigem Verstehen. Gleichzeitig gehen wir oft ganz selbstverständlich davon aus, dass unser Gegenüber Situationen ähnlich wahrnimmt, verarbeitet und bewertet wie wir selbst.

Bei unterschiedlichen Neurotypen kann genau das zum Problem werden.

Was für eine Person nach Nähe aussieht, kann für die andere Überforderung sein. Was als Rückzug erlebt wird, kann eigentlich Regulation bedeuten. Ein Bedürfnis nach Struktur kann auf den anderen kontrollierend wirken, während Spontaneität wiederum als Unzuverlässigkeit erlebt werden kann. Unterschiedliche sensorische Bedürfnisse, Kommunikationsstile, Energielevels, Bedürfnisse nach sozialem Kontakt oder Alleinsein und unterschiedliche Arten, Konflikte zu verarbeiten, können sich gegenseitig verstärken.

Das bedeutet nicht, dass eine Person „recht“ hat und die andere etwas falsch macht. Oft fehlt zunächst schlicht ein gemeinsames Verständnis dafür, was zwischen den beiden eigentlich passiert.

Psychoedukation als gemeinsamer Ausgangspunkt

Ein wesentlicher Bestandteil der Beratung kann deshalb Psychoedukation sein.

Dabei geht es nicht darum, einen Partner oder eine Partnerin zu „diagnostizieren“ oder jedes Beziehungsproblem mit Neurodivergenz zu erklären. Vielmehr geht es darum, gemeinsam Sprache für unterschiedliche Wahrnehmungs- und Verarbeitungsweisen zu entwickeln.

  • Was bedeutet Reizüberflutung?
  • Wie funktioniert Regulation?
  • Warum kann ein Konflikt für eine Person aktivierend und für die andere lähmend sein?
  • Welche Rolle spielen Exekutivfunktionen, Aufmerksamkeit, Routinen oder sensorische Bedürfnisse?
  • Was passiert bei Masking und warum kann das langfristig erschöpfend sein?
  • Und wie können beide Partner:innen erkennen, wann ein Verhalten Ausdruck eines Bedürfnisses ist und nicht mangelnder Wertschätzung?

Dieses gemeinsame Wissen kann etwas Entscheidendes verändern: Aus persönlichem Versagen oder gegenseitiger Schuld wird ein gemeinsam untersuchbares Phänomen.

Von „Du verstehst mich nicht“ zu „Wir verstehen besser, was passiert“

Neuroaffirmative Paarberatung bedeutet nicht, jede Schwierigkeit mit Neurodivergenz zu erklären oder Konflikte dadurch zu entschuldigen.

Vielmehr geht es darum, die unterschiedlichen Perspektiven beider Partner:innen ernst zu nehmen und eine gemeinsame Wirklichkeit zu entwickeln.

Dabei kann die Frage hilfreich sein:

Was passiert gerade zwischen uns, und was brauchen wir beide, damit es anders werden kann?

Die neurodivergente Person soll dabei nicht lernen müssen, möglichst neurotypisch zu funktionieren. Gleichzeitig muss die neurotypische Person nicht sämtliche eigenen Bedürfnisse zurückstellen. Ziel ist vielmehr, Bedingungen zu schaffen, unter denen beide Menschen möglichst authentisch, verständlich und selbstbestimmt miteinander in Beziehung sein können.

Beziehung statt Normalisierung

Eine neuroaffirmative Perspektive verändert damit auch den Blick auf die Beziehung selbst.

Nicht:„Wie bringen wir die neurodivergente Person dazu, besser zu funktionieren?“

Sondern:„Wie können wir eine Beziehung gestalten, in der unterschiedliche Arten des Denkens, Fühlens, Wahrnehmens und Kommunizierens Platz haben?“

Dabei können ganz konkrete Bereiche des gemeinsamen Lebens betrachtet werden: Kommunikation und Konflikte, Nähe und Distanz, Sexualität, Haushalt und Aufgabenverteilung, soziale Verpflichtungen, Routinen und Veränderungen, Elternschaft, Erholung und gemeinsame Zeit.

Gerade hier kann ein gemeinsames Verständnis entlastend wirken. Denn Verständnis bedeutet nicht automatisch Zustimmung. Es schafft aber die Möglichkeit, Bedürfnisse voneinander zu unterscheiden, Erwartungen sichtbar zu machen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Zwei Neurotypen, eine Beziehung

Eine Beziehung zwischen unterschiedlichen Neurotypen ist nicht grundsätzlich schwieriger. Sie kann jedoch andere Formen von Übersetzungsarbeit benötigen.

Wenn beide Partner:innen verstehen, dass sie nicht dieselbe innere Landkarte besitzen, entsteht die Möglichkeit, neugieriger aufeinander zu werden. Unterschiede müssen dann nicht verschwinden, um Nähe zu ermöglichen.

Es geht nicht darum, gleich zu werden. Es geht darum, einander besser zu verstehen und gemeinsam eine Beziehung zu gestalten, in der beide vorkommen.


Die Beratung wird von Mag. Ilsi Kita angeboten. Sein Schwerpunkt liegt auf Paaren und Familien mit unterschiedlichen kulturellen und neurokognitiven Hintergründen, insbesondere auf sogenannten bi-neuralen Paaren.


Selbstständige Fachpersonen

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